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Wer mit Sex Geld verdient, verändert unsere Lust!

Wer mit Sex Geld verdient, verändert unsere Lust!

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2026-07-14 00:45🕒 4 Min. LesezeitVon lustlink.eu Redaktion

Wir halten unsere sexuellen Vorlieben häufig für etwas zutiefst Persönliches. Doch wie frei sind unsere Wünsche tatsächlich? Eine aktuelle Rezension auf H-Soz-Kult zum wissenschaftlichen Sammelband Sozioökonomie der Sexualitäten im 20. Jahrhundert wirft genau diese elementare Frage auf. Die Historikerinnen und Historiker zeigen darin eindrucksvoll, dass Sexualität niemals nur reine Privatsache war. Politik, Wirtschaft, Werbung und technischer Fortschritt haben über Jahrzehnte hinweg maßgeblich mitbestimmt, was Menschen als attraktiv, normal oder erstrebenswert empfanden. Wer Geld mit Sexualität verdient, verkauft selten nur Produkte – sondern formt oftmals unsere grundlegenden Vorstellungen davon, was Lust überhaupt bedeutet.

Sexualität ist immer auch Wirtschaft

Die meisten Menschen denken bei Sexualität an Liebe, Partnerschaft oder persönliche Bedürfnisse. Historisch betrachtet ist sie jedoch gleichzeitig ein immens bedeutender Wirtschaftsfaktor. Der Sammelband beleuchtet zahlreiche Beispiele aus dem 20. Jahrhundert, die diese Verflechtung verdeutlichen:

  • Die Entwicklung der Sexarbeit als organisierter Wirtschaftszweig.
  • Den Aufstieg von Erotikversandhäusern wie Beate Uhse in der Nachkriegszeit.
  • Die kommerzielle Vermarktung von Vibratoren und anderen Intimprodukten.
  • Den massenhaften Vertrieb von Erotikmagazinen und Pornografie.
  • Den gezielten Einsatz sexueller Reize in der Mainstream-Werbung.

Die zentrale Erkenntnis der Forschung lautet: Unsere Vorstellungen von Sexualität entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie werden ununterbrochen von gesellschaftlichen und ökonomischen Kräften beeinflusst und geformt.

Lust verkauft sich – seit über hundert Jahren

Heute kennen wir das Prinzip “Sex sells” vor allem aus der modernen Werbung, doch die Mechanik ist wesentlich älter. Bereits im frühen 20. Jahrhundert wurde Sexualität gezielt eingesetzt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, Produkte attraktiver erscheinen zu lassen oder gesellschaftliche Bedürfnisse monetär zu bedienen.

Mit jeder neuen Technologie entstanden zeitgleich völlig neue Märkte für die menschliche Lust: Von Fotografie und Film über Telefonsex und Magazine bis hin zu heutigen Dating-Portalen, Streaming-Diensten, Sex-Tech und Künstlicher Intelligenz. Jede dieser technischen Innovationen veränderte nicht nur den reinen Zugang zur Sexualität, sondern verschob auch die Erwartungen, Fantasien und Körperideale der Menschen.

Wer bestimmt, wie wir über Sex denken?

Die spannende Frage lautet demnach nicht nur, wer eigentlich Sex verkauft, sondern vielmehr: Wer bestimmt, wie wir über Sex denken? Wirtschaftliche Interessen beeinflussen massiv, welche Fantasien im Mainstream sichtbar werden und welche kaum Beachtung finden.

Das bedeutet nicht automatisch eine bösartige Manipulation. Unternehmen reagieren selbstverständlich auf die bestehende Nachfrage. Gleichzeitig erzeugen erfolgreiche Produkte jedoch wiederum eine neue Nachfrage, wodurch ein ständiger Kreislauf zwischen Angebot und Bedürfnis entsteht. In der Psychologie spricht man hierbei von sozialem Lernen: Menschen orientieren sich an dem, was sie regelmäßig sehen, hören oder konsumieren. Dadurch verändern sich langfristig Normen, Erwartungen und unsere innersten Ideale.

Die Mechanismen im digitalen Zeitalter

Diese Mechanismen haben sich bis heute nicht verändert – lediglich die Plattformen sind neu. Heute übernehmen soziale Netzwerke, Dating-Apps, Influencer, Plattformen wie OnlyFans oder KI-generierte Inhalte diese formende Rolle. Sie alle beeinflussen tagtäglich, welche Körperbilder omnipräsent sind, welche Praktiken als “normal” gelten und welche Vorstellungen von Intimität vermittelt werden.

Dabei ist nicht jede dieser Entwicklungen per se schlecht oder gut. Entscheidend ist vielmehr, sich bewusst zu machen, dass persönliche Vorlieben immer auch in einem kulturellen und ökonomischen Umfeld entstehen und wachsen.

Genau aus diesem Grund glauben wir bei LustLink, dass authentische Kommunikation weitaus wichtiger ist als kurzlebige kommerzielle Trends. Es gibt schlichtweg kein objektiv “richtiges” oder “falsches” Sexualleben. Menschen unterscheiden sich enorm in ihren Wünschen, Grenzen, Fantasien, Beziehungsmodellen und Bedürfnissen. Problematisch wird es erst dann, wenn Menschen glauben, sie müssten künstlich geschaffenen gesellschaftlichen oder medialen Erwartungen entsprechen.

LustLink verfolgt deshalb ganz bewusst einen grundlegend anderen Ansatz. Unsere Plattform bewertet keine Vorlieben und setzt keine Trends. Sie zeigt ausschließlich und datengestützt auf, wo zwei Menschen tatsächlich zusammenpassen.

Nicht die Werbung, soziale Medien oder gesellschaftliche Trends sollten darüber entscheiden, was euch glücklich macht – sondern einzig und allein ihr selbst.

Wissenschaft statt Moral

Der Sammelband verfolgt einen bemerkenswert nüchternen Blick. Anstatt Sexualität moralisch zu bewerten, betrachten die Autorinnen und Autoren sie als neutrales gesellschaftliches Phänomen. Diese Perspektive eröffnet hochspannende Fragen: Warum werden manche sexuelle Praktiken akzeptiert und andere tabuisiert? Weshalb verändern sich Schönheitsideale ständig? Und warum boomt Sex-Tech gerade in unserer heutigen Zeit derart extrem?

Gerade dieser wissenschaftliche Zugang macht die Forschungsarbeit so wertvoll. Er belegt, dass die Geschichte der Sexualität zwingend immer auch eine Wirtschafts-, Medien- und Kulturgeschichte ist. Wir sollten unsere Lust pflegen und hinterfragen – denn am Ende sollte nicht der Markt definieren, was Erfüllung bedeutet, sondern wir selbst.

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H-Soz-Kult. Kommunikation und Fachinformation für die Geschichtswissenschaften

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Rezension zu / Review of: Horntrich, Paul M.; Lehner, Nora M.: Sozioökonomie der Sexualitäten im 20. Jahrhundert


Quellen:

  • H-Soz-Kult: Rezension zu Sozioökonomie der Sexualitäten im 20. Jahrhundert.
  • Horntrich, Paul M.; Lehner, Nora M. (Hrsg.): Sozioökonomie der Sexualitäten im 20. Jahrhundert. Böhlau Verlag, 2025.

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