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HIV-PrEP – Der große Praxisratgeber: Schutz vor HIV durch moderne Prävention

HIV-PrEP – Der große Praxisratgeber: Schutz vor HIV durch moderne Prävention

Gesundheit
2026-07-08🕒 18 Min. LesezeitVon lustlink.eu Redaktion

HIV-PrEP – Der große Praxisratgeber

Die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) zählt zu den größten Erfolgen der modernen Infektionsmedizin. Richtig angewendet verhindert sie eine HIV-Infektion mit einer Wirksamkeit von über 99 % bei sexueller Übertragung. Dennoch eignet sie sich nicht für jeden Menschen gleichermaßen.

Die meisten Menschen verbinden HIV noch immer mit den Bildern der 1980er-Jahre: überfüllte Krankenhausstationen, eine damals rätselhafte Immunschwäche und eine Erkrankung, die lange Zeit nahezu unweigerlich tödlich verlief. Dieses Bild prägt bis heute das gesellschaftliche Bewusstsein – obwohl sich die Medizin in den vergangenen vier Jahrzehnten grundlegend verändert hat.

Heute können Menschen mit HIV bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Therapie nahezu die gleiche Lebenserwartung erreichen wie Menschen ohne Infektion. Noch bedeutsamer ist jedoch ein anderer Fortschritt: Eine HIV-Infektion lässt sich inzwischen in vielen Fällen bereits vor dem ersten Kontakt mit dem Virus verhindern.

Genau hier setzt die Präexpositionsprophylaxe, kurz PrEP, an.

Sie gehört zu den wirksamsten präventiven Maßnahmen, die die moderne Medizin entwickelt hat. Millionen Menschen weltweit nutzen sie inzwischen erfolgreich als Bestandteil ihres individuellen Schutzkonzeptes.

Dabei geht es nicht darum, Kondome oder andere Schutzmaßnahmen grundsätzlich zu ersetzen. Vielmehr erweitert die PrEP die Möglichkeiten, verantwortungsvoll mit der eigenen sexuellen Gesundheit umzugehen.

Gerade Menschen mit wechselnden Sexualpartnern stellen sich früher oder später ähnliche Fragen:

  • Brauche ich überhaupt eine PrEP?
  • Welche Medikamente gibt es?
  • Welche Nebenwirkungen sind realistisch?
  • Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
  • Gibt es Alternativen?

Dieser Artikel beantwortet diese Fragen anhand des aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstandes und richtet sich bewusst an Menschen, die eine fundierte Entscheidung treffen möchten – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder ihren persönlichen Vorlieben.


Sexuelle Kompatibilität besteht nicht allein aus gemeinsamen Vorlieben.

Ebenso wichtig sind gegenseitiges Vertrauen, Kommunikation und ein verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen Gesundheit.

Genau deshalb gehören Gespräche über Themen wie HIV, STI-Tests, Kondome oder die PrEP heute für viele Menschen selbstverständlich zum Kennenlernen dazu.

Auf LustLink vergleichen zwei Personen zunächst unabhängig voneinander ihre sexuellen Vorlieben. Erst anschließend werden ausschließlich die gegenseitigen Übereinstimmungen sichtbar. Dadurch entstehen häufig deutlich offenere Gespräche über Wünsche, Grenzen und Sicherheitsbedürfnisse – lange bevor es überhaupt zu einem realen Treffen kommt.

Gesundheit ist dabei kein Stimmungskiller, sondern ein Ausdruck gegenseitigen Respekts.


Was genau ist die HIV-PrEP?

Der Begriff PrEP steht für Prä-Expositions-Prophylaxe.

Bereits der Name beschreibt das Prinzip:

  • Prä = vor
  • Exposition = möglicher Kontakt mit HIV
  • Prophylaxe = vorbeugende Maßnahme

Die Medikamente werden also vor einem möglichen HIV-Kontakt eingenommen.

Gelangen HI-Viren anschließend in den Körper, finden sie dort bereits Wirkstoffe vor, die ihre Vermehrung blockieren. Dadurch kann sich die Infektion gar nicht erst dauerhaft etablieren.

Die PrEP ist deshalb keine Impfung.

Während Impfstoffe das Immunsystem trainieren, wirkt die PrEP direkt gegen den Vermehrungsmechanismus des Virus.


Wie groß ist die Schutzwirkung?

Große internationale Studien zeigen übereinstimmend:

Bei korrekter Einnahme schützt die PrEP beim sexuellen Kontakt mit einer Wirksamkeit von über 99 % vor einer HIV-Infektion.

Entscheidend ist dabei allerdings die regelmäßige Einnahme.

Vergessene Tabletten oder längere Einnahmepausen können den Schutz erheblich reduzieren.

Die Wirksamkeit lässt sich vereinfacht als Wahrscheinlichkeit darstellen:

$$ P(\text{Infektion}) = P(\text{Kontakt}) \cdot P(\text{Übertragung}) \cdot P(\text{Virusvermehrung}) $$

Die PrEP greift am letzten Faktor an.

Sie verhindert, dass sich das Virus nach dem Eindringen dauerhaft vermehren kann. Mathematisch nähert sich dieser Faktor bei korrekter Anwendung nahezu Null an.


Wovor schützt die PrEP?

Hier besteht bis heute eines der häufigsten Missverständnisse.

Die PrEP schützt ausschließlich vor HIV.

Sie schützt nicht vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Syphilis
  • Gonorrhö
  • Chlamydien
  • Hepatitis C
  • Mycoplasmen
  • Mpox
  • Feigwarzen (HPV)
  • Herpes genitalis

Deshalb bleiben regelmäßige STI-Untersuchungen auch unter einer PrEP ein wichtiger Bestandteil verantwortungsvoller Sexualität.


Wie entstand die Idee der PrEP?

Die Entwicklung der PrEP ist eng mit der Geschichte der HIV-Pandemie verbunden.

Als Anfang der 1980er-Jahre in den USA erstmals ungewöhnliche Häufungen seltener Infektionen beschrieben wurden, ahnte niemand, dass damit eine der bedeutendsten Pandemien der modernen Medizin begonnen hatte.

1983 gelang französischen Forschern erstmals die Identifikation des Virus.

Nur wenige Jahre später wurden die ersten antiviralen Medikamente entwickelt.

Diese frühen Präparate konnten den Krankheitsverlauf zwar verlangsamen, waren jedoch mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden und verhinderten die Erkrankung nicht dauerhaft.

Erst Mitte der 1990er-Jahre gelang der entscheidende Durchbruch:

Mehrere Medikamente wurden kombiniert.

Diese sogenannte hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) verwandelte HIV von einer nahezu tödlichen Erkrankung in eine chronische, behandelbare Infektion.

Während Wissenschaftler die Virusvermehrung immer besser verstanden, entstand eine naheliegende Frage:

Wenn Medikamente eine bestehende Infektion kontrollieren können – könnten sie dann auch verhindern, dass sich HIV überhaupt erst im Körper etabliert?

Diese Idee bildete den Ausgangspunkt der modernen PrEP.


Der wissenschaftliche Durchbruch

Im Jahr 2010 veröffentlichte das renommierte New England Journal of Medicine die sogenannte iPrEx-Studie.

Sie gilt bis heute als Meilenstein der HIV-Prävention.

Erstmals konnte eindeutig gezeigt werden:

Menschen, die die Medikamente zuverlässig einnahmen, infizierten sich erheblich seltener mit HIV als Teilnehmer der Placebogruppe.

In den folgenden Jahren bestätigten zahlreiche weitere Studien dieses Ergebnis.

Heute gehört die PrEP weltweit zu den Standardempfehlungen der WHO, der Deutschen AIDS-Hilfe, des Robert Koch-Instituts und praktisch aller internationalen HIV-Fachgesellschaften.


Für wen ist eine PrEP sinnvoll?

Die vielleicht wichtigste Erkenntnis lautet:

Nicht jeder Mensch benötigt eine PrEP.

Die Entscheidung hängt nicht von der sexuellen Orientierung ab, sondern vom individuellen Risiko einer HIV-Übertragung.

Eine PrEP kann insbesondere sinnvoll sein für:

  • Männer, die Sex mit Männern haben und regelmäßig wechselnde Partner haben.
  • Menschen mit HIV-positiven Partnern, sofern keine dauerhaft unterdrückte Viruslast vorliegt.
  • Personen mit häufigem kondomlosem Analverkehr.
  • Menschen mit mehreren Sexualpartnern innerhalb kurzer Zeiträume.
  • Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter.
  • Personen mit wiederholt diagnostizierten bakteriellen STI.
  • Menschen, die regelmäßig Chemsex praktizieren.
  • Personen, deren Partnerstatus häufig unbekannt ist.

Entscheidend ist dabei stets die persönliche Lebensrealität – nicht eine bestimmte sexuelle Identität.

Ein heterosexuelles Paar mit häufig wechselnden Partnern kann beispielsweise stärker von einer PrEP profitieren als ein homosexuelles Paar in einer langjährigen, monogamen Beziehung.


Wann bringt eine PrEP meist keinen zusätzlichen Nutzen?

Ebenso wichtig ist die andere Seite der Betrachtung.

In vielen Lebenssituationen ist eine PrEP medizinisch kaum sinnvoll.

Hierzu zählen beispielsweise:

  • dauerhaft monogame Partnerschaften,
  • Partner mit nachweislich dauerhaft unterdrückter HIV-Viruslast (U = U),
  • konsequente Kondomnutzung,
  • sehr seltene Risikosituationen,
  • fehlende HIV-Risikokonstellationen.

Die Entscheidung sollte deshalb immer gemeinsam mit einer entsprechend erfahrenen Ärztin oder einem erfahrenen Arzt getroffen werden.


Merksatz: Die PrEP ist kein Lifestyle-Produkt, sondern ein hochwirksames medizinisches Präventionsinstrument. Ihr größter Nutzen entsteht dort, wo tatsächlich ein relevantes HIV-Risiko besteht.


Welche Medikamente werden für die PrEP eingesetzt?

Die Wirksamkeit der PrEP beruht auf antiviralen Medikamenten, die ursprünglich zur Behandlung einer bestehenden HIV-Infektion entwickelt wurden. Heute werden sie in niedriger Dosierung vorbeugend eingesetzt, um eine Ansteckung bereits im frühesten Stadium zu verhindern.

Alle derzeit zugelassenen PrEP-Medikamente greifen in den Vermehrungszyklus des Virus ein. Gelangt HIV nach einem sexuellen Kontakt in den Körper, verhindern die Wirkstoffe, dass das Virus sein Erbgut in menschliche Zellen einschleusen und sich dauerhaft vermehren kann.

Im Alltag spielen derzeit drei Wirkstoffkombinationen beziehungsweise Therapieformen eine Rolle.


Emtricitabin + Tenofovirdisoproxil (TDF/FTC)

Diese Kombination gilt als Goldstandard der HIV-PrEP und wird weltweit am häufigsten eingesetzt.

Bekannt wurde sie zunächst unter dem Handelsnamen Truvada®. Nach Ablauf des Patents sind heute zahlreiche wirkstoffgleiche Generika erhältlich, die den Preis erheblich gesenkt haben.

Die Kombination enthält zwei antivirale Wirkstoffe:

  • Emtricitabin (FTC)
  • Tenofovirdisoproxilfumarat (TDF)

Beide gehören zur Gruppe der Nukleosidischen beziehungsweise Nukleotidischen Reverse-Transkriptase-Hemmer (NRTI).

Vorteile

  • wissenschaftlich am besten untersucht
  • über 15 Jahre Praxiserfahrung
  • sehr hohe Schutzwirkung
  • als Generikum kostengünstig erhältlich
  • von nahezu allen internationalen Leitlinien empfohlen

Mögliche Nachteile

Bei den meisten Menschen treten überhaupt keine ernsthaften Nebenwirkungen auf.

Selten beobachtet werden können:

  • leichte Einschränkungen der Nierenfunktion
  • geringe Verminderung der Knochendichte
  • vorübergehende Magen-Darm-Beschwerden
  • Kopfschmerzen in den ersten Einnahmetagen

Aus diesem Grund gehören regelmäßige Blutuntersuchungen zum Standardprogramm jeder PrEP-Begleitung.


Emtricitabin + Tenofoviralafenamid (TAF/FTC)

Eine modernere Weiterentwicklung ist die Kombination aus

  • Emtricitabin (FTC)
  • Tenofoviralafenamid (TAF)

Sie wird unter dem Handelsnamen Descovy® angeboten.

Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass Tenofovir hier effizienter in die Zielzellen transportiert wird. Dadurch ist eine deutlich geringere Wirkstoffmenge im Blut erforderlich.

Vorteile

  • geringere Belastung der Nieren
  • geringerer Einfluss auf den Knochenstoffwechsel
  • vergleichbare Schutzwirkung

Nachteile

  • deutlich höhere Kosten
  • bisher weniger Langzeiterfahrung
  • nicht für alle Personengruppen zugelassen
  • für vaginalen Geschlechtsverkehr liegen bislang weniger Studiendaten vor

Für viele Menschen bleibt deshalb die klassische TDF/FTC-Kombination weiterhin die erste Wahl.


Cabotegravir – die PrEP als Depot-Injektion

Eine der spannendsten Entwicklungen der vergangenen Jahre ist Cabotegravir.

Hierbei handelt es sich nicht um Tabletten, sondern um eine langwirksame Injektion in den Gesäßmuskel.

Nach einer Einleitungsphase erfolgt die Gabe etwa alle zwei Monate.

Vorteile

  • keine tägliche Tabletteneinnahme
  • keine vergessenen Dosen
  • konstante Wirkstoffspiegel
  • besonders geeignet für Menschen mit Einnahmeproblemen

Nachteile

  • regelmäßige Arztbesuche notwendig
  • deutlich höhere Kosten
  • derzeit noch nicht überall verfügbar
  • nach Absetzen verbleibt der Wirkstoff noch längere Zeit im Körper

Internationale Studien zeigen eine mindestens gleichwertige, teilweise sogar höhere Schutzwirkung gegenüber der klassischen Tabletten-PrEP.

Es ist wahrscheinlich, dass Depotpräparate in den kommenden Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen werden.


Wie wird die PrEP eingenommen?

Je nach Lebenssituation stehen zwei wissenschaftlich anerkannte Einnahmeschemata zur Verfügung.


Die tägliche PrEP

Dies ist die weltweit am häufigsten verwendete Form.

Dabei wird eine Tablette täglich möglichst zur gleichen Uhrzeit eingenommen.

Nach einigen Tagen entsteht ein stabiler Wirkstoffspiegel.

Vorteile

  • höchstmögliche Schutzwirkung
  • unkomplizierte Anwendung
  • spontane sexuelle Kontakte problemlos möglich
  • keine Planung erforderlich

Sie eignet sich insbesondere für Menschen,

  • mit regelmäßigem Sexualleben,
  • häufig wechselnden Partnern,
  • oder wenn sexuelle Kontakte nicht langfristig planbar sind.

Die anlassbezogene PrEP (2-1-1-Schema)

Nicht jeder benötigt dauerhaft Medikamente.

Für bestimmte Personengruppen existiert deshalb das sogenannte 2-1-1-Schema.

Dabei erfolgt die Einnahme folgendermaßen:

  • 2 Tabletten zwischen 2 und 24 Stunden vor dem Sex
  • 1 Tablette nach weiteren 24 Stunden
  • 1 Tablette nach insgesamt 48 Stunden

Dieses Verfahren wurde vor allem bei Männern untersucht, die Sex mit Männern haben.

Für andere Personengruppen wird derzeit überwiegend die tägliche Einnahme empfohlen.

Deshalb sollte das anlassbezogene Schema ausschließlich nach ärztlicher Beratung angewendet werden.


Wie schnell wirkt die PrEP?

Viele Menschen möchten wissen, wann nach Beginn der Einnahme ein zuverlässiger Schutz besteht.

Hier muss zwischen verschiedenen Sexualpraktiken unterschieden werden.

Nach aktuellem Wissensstand gilt:

  • Analverkehr: maximaler Schutz nach etwa sieben Tagen täglicher Einnahme
  • Vaginalverkehr: etwa drei Wochen tägliche Einnahme
  • Injektionsdrogen: ebenfalls längere Aufbauphase

Wer spontan mit der PrEP beginnen möchte, sollte diese Unterschiede kennen und ärztlich besprechen.


Was passiert, wenn ich eine Tablette vergesse?

Eine einzelne vergessene Tablette bedeutet normalerweise nicht sofort den Verlust des Schutzes.

Trotzdem gilt:

Je regelmäßiger die Einnahme erfolgt, desto zuverlässiger ist die Schutzwirkung.

Kommt es häufiger zu vergessenen Einnahmen, sollte gemeinsam mit der behandelnden Praxis nach Lösungen gesucht werden.

Hilfreich sind beispielsweise:

  • Smartphone-Erinnerungen
  • Medikamentendosen
  • feste Einnahmezeiten
  • Verknüpfung mit täglichen Routinen (z. B. Zähneputzen)

Wie bekomme ich eine PrEP?

Die PrEP ist verschreibungspflichtig.

Sie sollte ausschließlich nach einer ärztlichen Beratung begonnen werden.

Ansprechpartner sind unter anderem:

  • HIV-Schwerpunktpraxen
  • infektiologische Praxen
  • spezialisierte hausärztliche Praxen
  • einige urologische Praxen
  • einige dermatologische Praxen

Eine gute Übersicht über wohnortnahe Schwerpunktpraxen bieten die Deutsche Aidshilfe und regionale HIV-Beratungsstellen.


Welche Untersuchungen erfolgen vor Beginn?

Vor der ersten Verordnung muss ausgeschlossen werden, dass bereits eine unerkannte HIV-Infektion besteht.

Typischerweise gehören dazu:

  • HIV-Test
  • Nierenfunktionswerte (Kreatinin, eGFR)
  • Hepatitis-B-Status
  • gegebenenfalls Hepatitis-C-Test
  • STI-Screening
  • ausführliches Beratungsgespräch

Diese Untersuchungen dienen nicht der Bürokratie, sondern der Sicherheit.

Eine unerkannte HIV-Infektion unter einer unvollständigen Therapie könnte die Entwicklung resistenter Virusstämme begünstigen.


Wie oft sind Kontrollen notwendig?

Wer eine PrEP einnimmt, sollte regelmäßig ärztlich begleitet werden.

In Deutschland werden üblicherweise alle drei Monate Kontrolluntersuchungen empfohlen.

Diese umfassen meist:

  • HIV-Test
  • Nierenwerte
  • STI-Screening
  • Besprechung möglicher Nebenwirkungen
  • Überprüfung der weiteren Notwendigkeit der PrEP

Diese Termine sind ein wesentlicher Bestandteil einer sicheren Anwendung und sollten nicht ausgelassen werden.


Wer übernimmt die Kosten?

Seit September 2019 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland die Kosten der PrEP für Menschen mit einem erhöhten HIV-Risiko, sofern die medizinischen Voraussetzungen erfüllt sind.

In der Regel umfasst dies:

  • ärztliche Beratung
  • HIV-Test
  • notwendige Blutuntersuchungen
  • Kontrolltermine
  • PrEP-Medikamente

Privatversicherte sollten die Kostenübernahme individuell mit ihrer Krankenversicherung klären.


Welche Nebenwirkungen sind wirklich relevant?

Im Internet finden sich zahlreiche Berichte über mögliche Nebenwirkungen.

Die wissenschaftlichen Daten zeichnen jedoch ein deutlich beruhigenderes Bild.

Die meisten Anwender vertragen die PrEP sehr gut.

Vorübergehend können auftreten:

  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • leichte Bauchschmerzen
  • Blähungen
  • Müdigkeit

Diese Beschwerden verschwinden häufig bereits nach wenigen Tagen.

Seltene, aber medizinisch relevante Nebenwirkungen betreffen vor allem:

  • die Nierenfunktion
  • den Knochenstoffwechsel

Genau deshalb erfolgen die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen.

Für Menschen mit bereits bestehenden Nierenerkrankungen können alternative Präparate oder andere Präventionsstrategien sinnvoller sein.


Praxis-Tipp: Die häufigste Ursache für eine unzureichende Schutzwirkung ist nicht das Medikament selbst, sondern eine unregelmäßige Einnahme. Moderne Erinnerungsfunktionen auf dem Smartphone oder Medikamenten-Apps können dabei helfen, die tägliche Routine zuverlässig einzuhalten.


Welche Alternativen zur PrEP gibt es?

Die PrEP ist heute eine der wirksamsten Maßnahmen zum Schutz vor einer HIV-Infektion. Dennoch ist sie nicht die einzige Möglichkeit, das persönliche Risiko deutlich zu reduzieren.

Die moderne HIV-Prävention verfolgt einen sogenannten kombinierten Präventionsansatz (Combination Prevention). Dabei werden verschiedene Schutzmaßnahmen individuell miteinander kombiniert, anstatt sich ausschließlich auf eine einzelne Methode zu verlassen.

Welche Kombination sinnvoll ist, hängt von der jeweiligen Lebenssituation, den Sexualpraktiken, der Anzahl der Partnerinnen und Partner sowie dem persönlichen Sicherheitsbedürfnis ab.


Kondome

Obwohl die PrEP häufig im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion steht, bleiben Kondome ein zentraler Bestandteil der sexuellen Gesundheitsvorsorge.

Ihr größter Vorteil besteht darin, dass sie nicht nur vor HIV, sondern gleichzeitig auch vor zahlreichen anderen sexuell übertragbaren Infektionen schützen können.

Dazu gehören unter anderem:

  • Gonorrhö
  • Chlamydien
  • Syphilis
  • Trichomoniasis
  • teilweise Hepatitis B
  • teilweise HPV
  • teilweise Herpes genitalis

Der Schutz ist jedoch nicht absolut. Erkrankungen, die auch über Hautkontakt außerhalb des vom Kondom bedeckten Bereichs übertragen werden, können trotz Kondomnutzung auftreten.

Dennoch gehören Kondome weltweit weiterhin zu den wichtigsten Instrumenten der HIV- und STI-Prävention.


U = U – Nicht nachweisbar bedeutet nicht übertragbar

Eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Erkenntnisse der vergangenen Jahrzehnte wird häufig mit der Formel

U = U

zusammengefasst.

Sie steht für:

Undetectable = Untransmittable

bzw.

Nicht nachweisbar = Nicht übertragbar

Menschen mit HIV, die ihre Medikamente regelmäßig einnehmen und deren Viruslast dauerhaft unter der Nachweisgrenze liegt, übertragen HIV beim Geschlechtsverkehr nach heutigem wissenschaftlichem Kenntnisstand nicht.

Diese Erkenntnis wurde inzwischen durch mehrere große internationale Studien bestätigt.

Für serodifferente Paare – also Partnerschaften, in denen eine Person HIV-positiv und die andere HIV-negativ ist – bedeutet dies einen enormen medizinischen und gesellschaftlichen Fortschritt.

Gleichzeitig zeigt U = U, wie wichtig eine frühzeitige Diagnose und eine konsequente Therapie sind.


Die PEP – Hilfe nach einer Risikosituation

Nicht jede Risikosituation lässt sich vorhersehen.

Kommt es beispielsweise zu

  • einem gerissenen Kondom,
  • ungeschütztem Geschlechtsverkehr,
  • einer Sexualstraftat,
  • oder einem anderen relevanten HIV-Risiko,

kann die sogenannte Postexpositionsprophylaxe (PEP) in Betracht kommen.

Im Gegensatz zur PrEP beginnt die PEP erst nach einem möglichen Kontakt mit HIV.

Sie besteht aus einer Kombination antiviraler Medikamente, die über 28 Tage eingenommen werden.

Wie schnell muss begonnen werden?

Hier zählt jede Stunde.

Empfohlen wird:

  • möglichst innerhalb von 24 Stunden
  • spätestens innerhalb von 48 Stunden
  • in Ausnahmefällen maximal 72 Stunden

Je früher die Behandlung beginnt, desto größer ist ihre Erfolgsaussicht.

Wer glaubt, einer relevanten HIV-Exposition ausgesetzt gewesen zu sein, sollte daher nicht bis zum nächsten Werktag warten, sondern sich unmittelbar an eine Notaufnahme oder eine HIV-Schwerpunktpraxis wenden.


Regelmäßige STI-Tests gehören zur Verantwortung

Ein häufiger Irrtum besteht darin, dass eine PrEP sämtliche Risiken beim Sex beseitigt.

Das Gegenteil ist der Fall.

Da die PrEP ausschließlich vor HIV schützt, bleiben regelmäßige Untersuchungen auf andere sexuell übertragbare Infektionen unverzichtbar.

Viele STI verursachen zunächst keinerlei Beschwerden.

Gerade deshalb können sie unbemerkt weitergegeben werden.

Zu den häufig empfohlenen Untersuchungen gehören je nach persönlichem Risiko:

  • HIV-Test
  • Syphilis-Test
  • Chlamydien
  • Gonorrhö
  • Hepatitis B
  • Hepatitis C
  • gegebenenfalls Mpox-Impfberatung
  • HPV-Impfberatung

Regelmäßige Tests schützen dabei nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch zukünftige Partnerinnen und Partner.


Brauche ich überhaupt eine PrEP?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.

Die Entscheidung hängt immer vom persönlichen Risiko und vom individuellen Sicherheitsbedürfnis ab.

Folgende Fragen können bei der Einschätzung helfen:

  • Habe ich regelmäßig wechselnde Sexualpartner?
  • Kommt es gelegentlich zu Sex ohne Kondom?
  • Kenne ich den HIV-Status meiner Partner?
  • Hatte ich in den vergangenen Jahren bereits bakterielle STI?
  • Besteht die Möglichkeit spontaner sexueller Kontakte?
  • Würde mir eine PrEP psychische Sicherheit geben?

Je mehr dieser Fragen mit „Ja” beantwortet werden, desto sinnvoller kann ein Beratungsgespräch in einer HIV-Schwerpunktpraxis sein.

Eine PrEP ist jedoch kein Zeichen für ein „riskantes Leben“, sondern kann Ausdruck eines bewussten und verantwortungsvollen Umgangs mit der eigenen Gesundheit sein.


Häufige Irrtümer

”Mit PrEP brauche ich keine Kondome mehr.”

Nicht ganz.

Die PrEP schützt ausschließlich vor HIV.

Vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen schützt sie nicht.


”PrEP ist nur etwas für homosexuelle Männer.”

Falsch.

Entscheidend ist nicht die sexuelle Orientierung, sondern das tatsächliche HIV-Risiko.

Auch heterosexuelle Menschen oder trans Personen können von einer PrEP profitieren.


”Die Medikamente schädigen grundsätzlich die Nieren.”

Die allermeisten Anwender entwickeln keine bleibenden Nierenschäden.

Gerade deshalb erfolgen regelmäßige Kontrolluntersuchungen, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen.


”Wer PrEP nimmt, hat automatisch viele wechselnde Sexualpartner.”

Diese Annahme ist wissenschaftlich nicht haltbar.

Menschen entscheiden sich aus sehr unterschiedlichen Gründen für eine PrEP.

Für manche bedeutet sie vor allem psychische Entlastung innerhalb einer bestehenden Partnerschaft oder bei gelegentlichen Risikosituationen.


”Ich brauche keinen HIV-Test mehr.”

Doch.

Regelmäßige HIV-Tests gehören zwingend zu jeder PrEP-Begleitung.

Sie stellen sicher, dass eine mögliche Infektion frühzeitig erkannt wird.


Kommunikation schützt ebenso wie Medikamente

Medizinische Prävention beginnt nicht erst mit einer Tablette.

Sie beginnt bereits mit einem offenen Gespräch.

Dazu gehören beispielsweise Fragen wie:

  • Welche Schutzmaßnahmen sind dir wichtig?
  • Wann war dein letzter STI-Test?
  • Nimmst du eine PrEP?
  • Gibt es gesundheitliche Besonderheiten, über die wir sprechen sollten?

Solche Gespräche wirken anfangs vielleicht ungewohnt.

In der Praxis berichten jedoch viele Menschen, dass genau diese Offenheit Vertrauen schafft und Unsicherheiten reduziert.


Warum das auch zu LustLink passt

Menschen sprechen häufig erst dann offen über sexuelle Gesundheit, wenn bereits eine konkrete Situation entstanden ist.

Dabei wäre ein früheres Gespräch oft wesentlich entspannter.

Genau hier setzt LustLink an.

Wer zunächst gemeinsam sexuelle Vorlieben entdeckt, entwickelt häufig auch mehr Vertrauen, über Themen wie Grenzen, Safer Sex, STI-Tests oder die PrEP zu sprechen.

Die Plattform versteht sich deshalb nicht nur als Werkzeug zum Vergleich sexueller Interessen, sondern auch als Einladung zu einer offenen, respektvollen und wertschätzenden Kommunikation.

Denn erfüllte Sexualität basiert nicht allein auf gemeinsamen Fantasien, sondern ebenso auf gegenseitigem Vertrauen und informierten Entscheidungen.


Fazit

Die HIV-PrEP hat die Prävention einer der bedeutendsten Infektionskrankheiten unserer Zeit grundlegend verändert.

Für Menschen mit einem erhöhten HIV-Risiko bietet sie einen außergewöhnlich hohen Schutz und ermöglicht vielen ein entspannteres Sexualleben.

Gleichzeitig ersetzt sie weder ärztliche Vorsorge noch regelmäßige STI-Tests oder eine offene Kommunikation mit Sexualpartnerinnen und Sexualpartnern.

Die Entscheidung für oder gegen eine PrEP sollte deshalb niemals aus Angst oder gesellschaftlichem Druck getroffen werden, sondern auf Grundlage medizinischer Informationen und der eigenen Lebensrealität.

Wer seine Bedürfnisse kennt, Risiken realistisch einschätzt und bereit ist, Verantwortung für die eigene Gesundheit und die seiner Partner zu übernehmen, schafft die besten Voraussetzungen für eine selbstbestimmte und sichere Sexualität.


Weiterführende Informationen


Quellenverzeichnis

Leitlinien

  • Deutsche Aidshilfe. PrEP – Präexpositionsprophylaxe.
  • Robert Koch-Institut. HIV/STI-Epidemiologisches Bulletin.
  • Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG). Empfehlungen zur HIV-Prävention.
  • European AIDS Clinical Society (EACS). Guidelines Version 12.0.
  • World Health Organization (WHO). Consolidated Guidelines on HIV Prevention.

Wissenschaftliche Studien

  • Grant RM et al. (2010). Preexposure Chemoprophylaxis for HIV Prevention in Men Who Have Sex with Men. New England Journal of Medicine, 363(27), 2587–2599.
  • McCormack S et al. (2016). Pre-exposure Prophylaxis to Prevent the Acquisition of HIV-1 Infection (PROUD Study). The Lancet.
  • Molina JM et al. (2015). On-Demand Preexposure Prophylaxis in Men at High Risk for HIV-1 Infection. New England Journal of Medicine.
  • Hare CB et al. (2020). The DISCOVER Trial. The Lancet.
  • Rodger AJ et al. (2019). Risk of HIV Transmission Through Condomless Sex in Serodifferent Gay Couples with the HIV-Positive Partner Taking Suppressive Antiretroviral Therapy (PARTNER2). The Lancet.
  • Cohen MS et al. (2016). Antiretroviral Therapy for the Prevention of HIV Transmission. New England Journal of Medicine.

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